Die verlorene Sandale des Lucius Valerius
Eine Warnung aus dem Nebel
Ein Soldat auf der Straße
Im Jahr 175 marschierte der römische Soldat Lucius Valerius auf den Sandwegen der Gegend, die wir heute als Katwijk kennen. Er trug die typischen Sandalen eines römischen Legionärs und sein Blick schweifte über die weite Landschaft. Die Maas mäanderte gemächlich durch das Gebiet, und obwohl es noch keine Steinbrücke gab, existierten hölzerne Übergänge, die Händler und Soldaten zum Überqueren des Flusses nutzten.
Lucius war auf dem Weg zu einer kleinen Siedlung, wo er die Bevölkerung im Zaum halten und Steuern eintreiben musste. Er spürte die Müdigkeit in seinen Beinen, doch sein Pflichtgefühl trieb ihn weiter. Während er seine Sandalen in den kühlen Schlamm des Flusses drückte, dachte er an die Zukunft. Vielleicht würde hier eines Tages eine richtige Brücke stehen, eine, die die römische Herrschaft verewigen würde.
Der Schatten im Nebel
Plötzlich hallte ein eisiger Schrei aus dem Nebel über dem Wasser. Lucius blieb abrupt stehen und spähte in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen war. Seine Hand umklammerte den Griff seines Schwertes, sein Herz raste. Wie aus dem Nichts tauchte ein Schatten auf, eine bleiche Gestalt, in einen dünnen Schleier gehüllt, deren Augen leer und starr waren. „Geh zurück“, flüsterte sie mit einer Stimme, die dem Wind selbst glich. „Dein Lager braucht dich.“
Lucius spürte einen plötzlichen Schauer und wich unbeholfen zurück. Seine Sandale verfing sich im schlammigen Ufer, er verlor das Gleichgewicht und landete mit einem dumpfen Schlag im Wasser. Als er sich hastig aufrappelte und auf seine Füße blickte, war seine Sandale verschwunden – als hätte ihn die Erde verschluckt. Besiegt und verstört von dem, was er gesehen hatte, wagte er es nicht, zu dem Ort zurückzukehren, wo der Schatten gestanden hatte. Mit nur einer Sandale rannte er zurück zu seinem Lager, wo Chaos herrschte.
Eine Warnung oder ein Zufall?
Zwischen den Zelten loderte ein heftiges Feuer; Männer riefen Befehle, während andere die Verwundeten aus den Flammen zogen. Die Wachen berichteten ihm von einem Hinterhalt barbarischer Stämme. Hatte ihn das Gespenst gerettet? Hatte ihm seine verlorene Sandale die Warnung gebracht, die seine Kameraden brauchten?
Jahrhunderte später, im 4. Jahrhundert n. Chr., wurde die Brücke tatsächlich errichtet, ein massives Steinbauwerk über die Maas. Doch tief in der Erde, zwischen den Überresten alter Handelswege, blieb eine einzelne Sandale zurück. Ein stummer Zeuge von Lucius Valerius, dem Soldaten, der eine Warnung aus dem Nebel empfing und dessen verlorene Sandale die Geschichte womöglich verändert hätte.
Diese Sandale kann im Museum Ceuclum in Cuijk bewundert werden – Eintritt frei.

